90 Jahre später: Erinnerung an die Tragödie britischer Schuljungen im Schwarzwald

Angehörige und deutsche Dorfbewohner versammeln sich, um der Alpenkatastrophe von 1936 zu gedenken, bei der junge Menschen ums Leben kamen. Eine Heldengeschichte inmitten der Nazi-Propaganda.
An einem feierlichen Apriltag im Jahr 2026 erklangen erneut die Glocken der St.-Laurentius-Kirche im Schwarzwald und hallten über dasselbe bergige Gelände, in dem sich neun Jahrzehnte zuvor eine Tragödie ereignete. Die läutenden Glocken dienten als ergreifende Erinnerung an die Bergkatastrophe der Londoner Schüler im Jahr 1936, einer schicksalhaften Expedition, die junge Menschenleben forderte und sich in das kollektive Gedächtnis zweier Nationen einbrannte. Während die Glocken zum Gedenken läuteten, blieb kaum ein Auge trocken unter der versammelten Gemeinde britischer Verwandter und deutscher Dorfbewohner, deren Vorfahren Zeuge einer der erschütterndsten Bergrettungsaktionen in der europäischen Geschichte gewesen waren.
Die Tragödie ereignete sich am 17. April 1936, als eine Gruppe Londoner Schüler und ihr Lehrer sich auf eine eigentlich routinemäßige Wandertour durch die malerischen Berge des Schwarzwalds begaben. Die Expedition endete schnell in einer Katastrophe, als die 27-köpfige Gruppe unerwartet widrigen Wetterbedingungen ausgesetzt war und tiefe Schneefälle und tückischer Nebel die Sicht auf nur noch wenige Meter reduzierten. Mit Einbruch der Dunkelheit sanken die Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt, und die jungen Wanderer fanden sich auf den unbarmherzigen Hängen des Schauinsland isoliert und zunehmend verzweifelt wieder, unvorbereitet auf den plötzlichen alpinen Winter, der über sie hereingebrochen war.
Die anschließende Rettungsaktion bewies außergewöhnlichen Mut und Gemeinschaftssinn der Dorfbewohner von Hofsgrund. Als es zwei der Jungen, erschöpft und erfroren von ihrer Tortur, gelang, durch den blendenden Schnee zu einem Bauernhaus im Tal weiter unten zu navigieren, stolperten sie durch die Tür mit einer schrecklichen Nachricht: Ihre gesamte Gruppe war auf dem Berg gestrandet, über die Hänge verstreut und mit schwindenden Überlebenschancen. Der von diesen beiden Überlebenden ausgelöste Alarm veranlasste die Gemeinde zum sofortigen Handeln, wobei die einheimischen Männer ihr eigenes Leben riskierten, indem sie sich nur mit Schlitten und Handlaternen als Wegweiser in das tödliche Wetter wagten.


