Die extreme Rechte in Europa ist trotz Orbáns Verlust immer noch erfolgreich

Expertenanalysen zeigen, warum Orbáns Niederlage und Trumps Probleme nicht den Niedergang der rechtsextremen Bewegung in Europa signalisieren. Die wahren Trends verstehen.
Die überwältigende Niederlage des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán bei den Wahlen im letzten Monat löste bei demokratischen Befürwortern weltweit Jubel aus. Medien und politische Analysten analysieren die Ergebnisse eifrig und ziehen optimistische Schlussfolgerungen über den möglichen Rückgang der extremen Rechten in Europa. Gleichzeitig haben viele Beobachter damit begonnen, Donald Trump als einen Haftfaktor für die weltweite extreme Rechte zu bezeichnen, was darauf hindeutet, dass seine rechtlichen Probleme und politischen Rückschläge seine Attraktivität als ideologischer Anführer populistischer Bewegungen jenseits des Atlantiks geschmälert haben.
Dieses Narrativ des unvermeidlichen Niedergangs bedarf jedoch einer sorgfältigen Prüfung. Während Orbáns Wahlniederlage tiefgreifende symbolische Bedeutung hat und zweifellos die Politik der Europäischen Union verändern wird – insbesondere in Bezug auf kritische Themen wie die Finanzvereinbarungen zwischen der EU und der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland –, warnen Experten, dass Beobachter der Versuchung widerstehen sollten, umfassendere Schlussfolgerungen über die Entwicklung rechtsextremer Bewegungen auf dem Kontinent zu ziehen. Der Zusammenhang zwischen einzelnen politischen Niederlagen und systemischen ideologischen Trends ist weitaus komplexer, als Schlagzeilen vermuten lassen.
Laut Cas Mudde, Stanley Wade Shelton UGAF-Professor für internationale Angelegenheiten an der University of Georgia und Autor von „The Far Right Today“, gibt es zwingende Gründe, bei der Interpretation dieser jüngsten Ereignisse analytische Vorsicht walten zu lassen. Muddes wissenschaftliche Forschung hat ihn zu einem der führenden Experten für populistische und rechtsextreme Politik in zeitgenössischen Demokratien gemacht, was seine Perspektive besonders wertvoll für das Verständnis macht, ob Europa tatsächlich eine demokratische Renaissance erlebt oder nur vorübergehende Rückschläge erlebt.
Die Versuchung, den Sieg über den Autoritarismus zu verkünden, sitzt tief in demokratischen Gesellschaften. Jede Wahlverstimmung eines rechtsextremen Führers weckt neue Hoffnung, dass die Bürger unweigerlich extremistische Politik ablehnen werden, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. Doch die Geschichte und die zeitgenössische politikwissenschaftliche Forschung zeigen, dass die Beziehung zwischen einzelnen Wahlergebnissen und breiteren ideologischen Bewegungen komplizierteren Mustern folgt, als es einfache Sieg-gegen-Niederlage-Erzählungen zulassen.


