Ehemaliger australischer Soldat wegen fünf Kriegsverbrechensmorden in Afghanistan angeklagt

Dem ehemaligen australischen Soldaten wird vorgeworfen, während des Afghanistan-Einsatzes fünf Kriegsverbrechen begangen zu haben. Damit ist er der zweite Veteran, der wegen Gräueltaten in dem Konflikt angeklagt wurde.
In einem bahnbrechenden Rechtsfall hat die australische Regierung einen ehemaligen Soldaten wegen angeblicher Kriegsverbrechen, die er während seines Einsatzes in Afghanistan begangen hatte, in fünf Fällen wegen Mordes angeklagt. Der als Ben Roberts-Smith identifizierte Veteran ist erst der zweite Australier, gegen den aufgrund des zwei Jahrzehnte andauernden Konflikts derart schwerwiegende Anklagen erhoben werden.
Die Anschuldigungen gegen Roberts-Smith, ein hochdekoriertes ehemaliges Mitglied des australischen Eliteregiments Special Air Service (SAS), sind das Ergebnis einer langwierigen Untersuchung durch das Büro des Sonderermittlers des Landes. Die Behörden behaupten, dass der ehemalige Soldat zwischen 2006 und 2012 unrechtmäßig unbewaffnete afghanische Zivilisten in mehreren Einsätzen getötet hat.
Premierminister Anthony Albanese bestätigte die Vorwürfe und erklärte: „Die Australier können sicher sein, dass unser Rechtssystem die Beweise sorgfältig und objektiv prüfen wird.“ Der Fall hat die Nation erschüttert und Anlass zu Überlegungen über das Verhalten der Streitkräfte in dem vom Krieg heimgesuchten Land gegeben.
Roberts-Smith, 43, hat konsequent jegliches Fehlverhalten bestritten und die Vorwürfe als „kalkulierten und zynischen Angriff“ auf seinen Dienst bezeichnet. Seine Anwälte haben geschworen, sich gegen die Vorwürfe zu wehren, die im Falle eines Schuldnachweises zu lebenslanger Haft führen könnten.
Der Fall des ehemaligen Soldaten folgt einer hochkarätigen Untersuchung aus dem Jahr 2020, bei der Beweise für mutmaßliche Kriegsverbrechen australischer Spezialeinheiten aufgedeckt wurden, darunter die Ermordung von 39 afghanischen Zivilisten und Gefangenen. Dieser brisante Bericht führte zum Rücktritt mehrerer hochrangiger Militäroffiziere und löste eine strafrechtliche Untersuchung aus.
Experten sagen, dass die Anklage gegen Roberts-Smith einen bedeutenden Fortschritt im Streben nach Rechenschaftspflicht darstellt, da Australien mit dem komplexen Erbe seiner Beteiligung am Afghanistan-Konflikt zu kämpfen hat. Der Fall dürfte zu einem Meilenstein in der Militärjustiz des Landes werden und weitreichende Auswirkungen auf das künftige Verhalten seiner Streitkräfte haben.
Während sich die Gerichtsverfahren weiterentwickeln, wird das Land genau beobachten, ob das Justizsystem die Transparenz und Gerechtigkeit gewährleisten kann, die Opfer und ihre Familien in Afghanistan seit langem fordern. Der Ausgang dieses Falles wird zweifellos die anhaltende Debatte über die Rolle und Verantwortung australischer Soldaten auf ausländischen Schlachtfeldern prägen.
Quelle: NPR


