Eine viertägige Arbeitswoche könnte die Adipositas-Krise bekämpfen

Untersuchungen bringen übermäßige Arbeitszeiten mit einer weltweit höheren Fettleibigkeitsrate in Verbindung. Experten plädieren für kürzere Arbeitswochen, um die Gesundheitsergebnisse in allen OECD-Ländern zu verbessern.
Eine bahnbrechende internationale Studie, die auf dem Europäischen Kongress für Fettleibigkeit in Istanbul vorgestellt wurde, hat einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen verlängerten Arbeitszeiten und steigenden Fettleibigkeitsraten weltweit aufgedeckt. Die Studie, die Arbeitsmuster und Adipositas-Prävalenz in 33 OECD-Ländern über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten von 1990 bis 2022 untersuchte, liefert überzeugende Beweise dafür, dass die Reduzierung der Arbeitszeit eine wirkungsvolle Intervention im Bereich der öffentlichen Gesundheit sein könnte. Diese umfassende Analyse legt nahe, dass Länder mit kürzeren jährlichen Arbeitszeiten tendenziell eine geringere Prävalenz von Fettleibigkeit aufweisen, selbst wenn andere Lebensstil- und Ernährungsfaktoren berücksichtigt werden.
Das überraschendste Ergebnis der Studie stellt herkömmliche Annahmen über Industrieländer und Gesundheitsergebnisse in Frage. Länder wie die Vereinigten Staaten, Mexiko und Kolumbien, die durchweg längere jährliche Arbeitszeiten beibehalten, weisen im Vergleich zu ihren internationalen Pendants gleichzeitig deutlich höhere Fettleibigkeitsraten auf. Dieses Muster bleibt selbst dann bestehen, wenn nordeuropäische Länder, die typischerweise kürzere Arbeitswochen und großzügigere Urlaubsregelungen haben, im Durchschnitt tatsächlich größere Mengen an energiereichen Lebensmitteln und Fetten konsumieren als Länder in Lateinamerika. Die Forschung legt daher nahe, dass die Arbeitsdauer selbst einen größeren Einfluss auf das Gewichtsmanagement haben könnte als die Zusammensetzung der Nahrung allein.
Die Implikationen dieser Forschung gehen weit über einfache Anpassungen der Arbeitsplatzplanung hinaus. Gesundheitsexperten und Befürworter des öffentlichen Gesundheitswesens fordern nun, ernsthaft über eine Vier-Tage-Woche als legitime politische Intervention zur Bekämpfung der globalen Adipositas-Epidemie nachzudenken. Die Gründe dafür sind vielfältig: Längere Arbeitszeiten führen dazu, dass den Mitarbeitern weniger Zeit für körperliche Aktivität, Essenszubereitung und Stressbewältigung bleibt – alles entscheidende Faktoren für die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts. Darüber hinaus sind längere Arbeitspläne oft mit unregelmäßigen Essgewohnheiten, einer erhöhten Abhängigkeit von verarbeiteten Lebensmitteln und einem erhöhten Stressniveau verbunden, was hormonelle Veränderungen auslösen kann, die eine Gewichtszunahme begünstigen.


