Libanons Ersthelfer: Kampf gegen Trauer inmitten der Krise

Erfahren Sie, wie libanesische Notfallhelfer mit Traumata und Verlusten umgehen und gleichzeitig auf die humanitäre Krise im Südlibanon seit März reagieren.
Das Heulen der Sirenen ist zu einem unausweichlichen Soundtrack des Alltags im Südlibanon geworden und signalisiert für die erschöpften Ersthelfer der Region die Ankunft eines weiteren Notfalls und den Beginn eines weiteren Wettlaufs gegen die Zeit. Seit sich der Konflikt im März verschärfte, befinden sich diese engagierten Fachkräfte – Sanitäter, Feuerwehrleute und Rettungssanitäter – in der Zwickmühle zwischen ihrer beruflichen Verpflichtung, Leben zu retten, und dem verheerenden persönlichen Schaden, den sie mit sich bringen, wenn sie Zeuge weitverbreiteter Verluste und Vertreibungen werden. Ihre Geschichten offenbaren die psychologische und emotionale Belastung derjenigen, die an vorderster Front einer humanitären Krise stehen, die keine Anzeichen eines Abklingens zeigt.
Das Ausmaß der humanitären Katastrophe ist atemberaubend und nimmt mit jeder Woche zu. Seit Beginn des Krieges im Südlibanon im März wurden fast 3.000 Menschen getötet und fast 1 Million vertrieben. Selbst nachdem im April ein Waffenstillstand in Kraft trat, blieb die Zahl der Todesopfer tragisch hoch. Seit Inkrafttreten des Waffenstillstands wurden fast 400 weitere Todesfälle registriert. Bei diesen Zahlen handelt es sich um mehr als nur abstrakte Statistiken – jede Zahl stellt eine zerrüttete Familie, eine zerrüttete Gemeinschaft und einen weiteren Fall dar, der die Aufmerksamkeit bereits überlasteter Rettungsdienste erfordert, die darum kämpfen, die unerbittliche Nachfrage nach ihrem Fachwissen zu befriedigen.
Für Ersthelfer im Libanon verschwimmt die Grenze zwischen beruflicher Pflicht und persönlicher Trauer zunehmend. Viele dieser Arbeiter haben Kollegen, Freunde und Familienangehörige durch die Gewalt verloren, dennoch melden sie sich weiterhin für Schichten, wohlwissend, dass die Aufgabe ihres Postens bedeuten würde, andere zu unnötigem Leid zu verurteilen. Der psychologische Tribut dieser emotionalen Abschottung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden – diese Menschen sind gezwungen, die schlimmste menschliche Tragödie mitzuerleben und gleichzeitig die Gelassenheit und Konzentration zu bewahren, die für die Durchführung lebensrettender Interventionen erforderlich sind. Die kumulative Wirkung dieser Belastung führt zu einer Form von Trauma, die weit über die physischen Gefahren hinausgeht, die mit der Notfallhilfe einhergehen.
Quelle: NPR


