Gebetskundgebung lockt Tausende in die National Mall

Die vom Weißen Haus unterstützte Veranstaltung „Eine Nation unter Gott“ versammelt Tausende in der National Mall und löst unter Kritikern eine Debatte über die Trennung von Kirche und Staat aus.
Tausende Teilnehmer kamen am Sonntag in der berühmten National Mall in Washington, D.C. zu einer ausgedehnten, eintägigen Gebetskundgebung zusammen, die von den Organisatoren als spirituelle Neuweihung der Nation beworben wurde. Die Veranstaltung mit dem offiziellen Titel „Eine Nation unter Gott“ zog Menschenmengen aus dem ganzen Land an, die sich unter dem hoch aufragenden Washington Monument versammelten, um an einer Feier teilzunehmen, die von den Unterstützern als patriotische und glaubenszentrierte Feier beschrieben wurde. Allerdings ist die vom Weißen Haus unterstützte Veranstaltung schnell zum Gegenstand intensiver Prüfung und Debatte unter Verfassungswissenschaftlern, Verfechtern bürgerlicher Freiheiten und Organisationen für Religionsfreiheit geworden.
Die Inszenierung und visuelle Präsentation der Versammlung machte die eindeutig christliche Ausrichtung der Veranstaltung für alle Teilnehmer und Beobachter unverkennbar. Als Mittelpunkt diente eine große Bühne, auf der den ganzen Tag über ununterbrochen Gottesdienstmusik aus professionellen Soundsystemen ertönte. Hinter den Lautsprechern befanden sich aufwändige Bühnenbildelemente, darunter gewölbte Buntglasfenster unter hohen Säulen, die bewusst Bundesarchitektur und Regierungsgebäude nachahmten und so eine bewusste Verschmelzung religiöser Symbolik und nationaler Bilder schufen.
Zu den hervorstechendsten Designmerkmalen gehörte ein markantes weißes Kreuz neben Darstellungen der Gründerväter Amerikas, eine künstlerische Entscheidung, die viele Beobachter als Sinnbild für die umfassenderen Spannungen rund um das Ereignis ansehen. Die Gegenüberstellung religiöser Ikonen mit historischen nationalen Persönlichkeiten hat die anhaltende Kritik geschürt, dass die Kundgebung entscheidende verfassungsrechtliche Grenzen verwischt. Kritiker argumentieren, dass solche Bilder religiöse Identität mit amerikanischem Patriotismus auf eine Weise vermischen, die Bürger nichtchristlichen Glaubens an den Rand drängt.


