Meeresschaum an britischen Küsten: Naturphänomen erklärt

Entdecken Sie, warum an den Küsten Großbritanniens Meeresschaum auftritt. Erfahren Sie mehr über die natürlichen Ursachen dieses saisonalen Phänomens und warum es größtenteils harmlos ist.
In den Frühlings- und Frühsommermonaten stoßen Strandbesucher und Küstenbewohner in ganz Großbritannien häufig auf ein ungewöhnliches und optisch auffälliges Phänomen: dicker, schaumiger Schaum, der sich entlang der Küstenlinien ansammelt oder in markanten Bändern und Gruppen vor der Küste driftet. Auf den ersten Blick löst dieser eigentümliche Stoff bei Beobachtern oft Besorgnis aus, die häufig voreilige Rückschlüsse auf seine Herkunft ziehen. Viele gehen davon aus, dass der Schaum das Ergebnis industrieller Verschmutzung, unbehandelter Abwasserableitungen oder anderer Formen der Umweltverschmutzung sein muss. Allerdings haben Meeresforscher und Umweltexperten schon lange bestätigt, dass es sich bei diesem Meeresschaum tatsächlich um ein völlig natürliches Vorkommen handelt, das in Küstenökosystemen eine wichtige Rolle spielt.
Die wissenschaftliche Erklärung für dieses saisonale Phänomen hat seine Wurzeln in der grundlegenden Meeresbiologie und -chemie. Wenn die Wassertemperaturen im April und Mai zu steigen beginnen, beginnen riesige Meeresalgenkolonien ihren Wachstumszyklus und nutzen dabei die wärmeren Bedingungen und die stärkere Sonneneinstrahlung. Die am häufigsten für dieses Phänomen verantwortliche Art ist Phaeocystis, eine Algenart, die beträchtliche Mengen an organischem Material produziert. Trotz ihres etwas bedrohlichen Aussehens, wenn sie in Schaum konzentriert sind, sind Phaeocystis-Algen völlig ungiftig und dienen als wichtiger Bestandteil der marinen Nahrungskette. Sie liefern wichtige Nährstoffe für zahlreiche Arten von Fischen, Krebstieren und anderen Meeresorganismen.
Das Verständnis der Chemie hinter der Schaumbildung ist wichtig, um zu verstehen, warum dieser natürliche Prozess jedes Jahr so zuverlässig abläuft. Wenn die Algenblüte ihren Höhepunkt erreicht und schließlich abnimmt, setzt das zerfallende organische Material Verbindungen mit einzigartigen Tensideigenschaften frei – Substanzen, die ähnlich wie Haushaltsseife oder Waschmittel wirken. Diese natürlichen Tenside verändern die Oberflächenspannung des Meerwassers grundlegend und erleichtern so die Blasen- und Schaumbildung im Wasser. Die Kombination aus Wellenbewegung, Windenergie und diesen tensidreichen organischen Verbindungen erzeugt die charakteristischen Schaumansammlungen, die an Land gespült werden oder in Offshore-Gewässern schweben bleiben.
Quelle: The Guardian


