Das neue Gesetz der Taliban legitimiert die Kinderehe

Die Taliban erlassen einen umstrittenen Erlass, der Kinderehen anerkennt und gleichzeitig eine Scheidung für junge Frauen nahezu unmöglich macht. Aktivisten warnen vor humanitärer Krise.
Der jüngste Gesetzesschritt der Taliban hat bei Menschenrechtsorganisationen und internationalen Interessengruppen für Aufruhr gesorgt, da in Afghanistan die Kinderehe offiziell durch ein neues, von Kritikern als zutiefst beunruhigendes Erlass anerkannt wurde. Diese beispiellose Aktion stellt einen dramatischen Wandel in der Art und Weise dar, wie die Taliban-Regierung eines der dringendsten humanitären Anliegen des Landes angeht – oder vielmehr legitimiert. Aktivisten und Beobachter befürchten, dass diese rechtliche Anerkennung nur einen bereits alarmierenden Trend beschleunigen wird, der unzählige afghanische Familien verwüstet und die Zukunft gefährdeter junger Mädchen zerstört hat.
Laut alarmierenden Berichten von Organisationen vor Ort könnten derzeit bis zu 70 % der Mädchen in Afghanistan in Früh- oder Zwangsverheiratungen gefangen sein, obwohl die Taliban-Regierung nie offizielle Statistiken über die Verbreitung dieser Ehen veröffentlicht hat. Das neu erlassene Gesetz stellt eine besonders heimtückische Entwicklung dar, da es eine Scheidung für Mädchen und junge Frauen praktisch unmöglich macht, es sei denn, ihre Ehemänner stimmen der Auflösung der Ehe ausdrücklich zu. Dieser rechtliche Rahmen entzieht Frauen im Wesentlichen grundlegende Rechte und Entscheidungsfreiheit und bindet sie dauerhaft an Gewerkschaften, denen sie möglicherweise nie freiwillig beigetreten sind. Menschenrechtsaktivisten haben die Gesetzgebung als „beschämend“ und als einen katastrophalen Rückschlag für die Gleichstellung der Geschlechter in dem vom Krieg zerrütteten Land bezeichnet.
Während umfassende Daten zu Zwangsheiraten und Ehen von Minderjährigen in Afghanistan aufgrund der restriktiven Informationspolitik der Taliban nach wie vor rar sind, haben in diesem Bereich tätige Aktivisten in den letzten Jahren einen starken Anstieg dieser Praktiken dokumentiert. Der Anstieg scheint in direktem Zusammenhang mit dem strikten Verbot der Taliban zu stehen, Mädchen über das 11. Lebensjahr hinaus eine Ausbildung zu ermöglichen, eine Politik, die kurz nach der Rückkehr der Gruppe an die Macht im Jahr 2021 umgesetzt wurde. Wenn Bildungschancen wegfallen, greifen Familien in wirtschaftlichen Schwierigkeiten oft auf die Ehe als vermeintliche Lösung zurück und geben ihre Töchter im Tausch gegen finanzielle Erleichterung oder vermeintliche Sicherheit an ältere Männer weiter. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, in dem Armut, mangelnde Bildung und Heirat zu einer dauerhaften Benachteiligung der Generationen führen.


