Tausende demonstrieren in Prag wegen Demokratiebedenken unter Babis

Bei massiven Protesten in Prag wird Premierminister Andrej Babis vorgeworfen, die demokratischen Freiheiten auszuhöhlen und die Politik so zu ändern, dass sie sich stärker an den Interessen Russlands orientiert.
Zehntausende Demonstranten füllten am Wochenende die Straßen von Prag und demonstrierten unter der Führung von Premierminister Andrej Babis gegen den aus ihrer Sicht demokratischen Rückschritt. Die Demonstranten äußerten eine Reihe Kritik an Babis und warfen ihm vor, die Tschechische Republik in Richtung pro-russischer Positionen in außen-- und innenpolitischen Fragen
zu lenkenDer Massenprotest, an dem schätzungsweise rund 120.000 Menschen teilnahmen, stellte eine der größten öffentlichen Protestkundgebungen seit dem Sturz der kommunistischen Herrschaft durch die Samtene Revolution im Jahr 1989 dar. Die Organisatoren erklärten, dass die Kundgebung auf die Verteidigung der Demokratie und Meinungsfreiheit in der mitteleuropäischen Nation abzielte.
Die Redner der Veranstaltung warfen Babis vor, er wolle seine Macht konsolidieren und die Gewaltenteilung seiner Autorität untergraben. Sie verwiesen auf seine Kritik an den Medien, seine Angriffe auf die Justiz und seine engen Verbindungen zu russischen Interessen als Beweis für eine umfassendere antidemokratische Agenda.
„Wir sind hier, weil wir Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit verteidigen wollen“, sagte Mikulas Minar, der Gründer der Organisation „Million Moments for Democracy“, die die Kundgebung organisiert hat. „Wir sind hier, um zu sagen, dass wir nicht zulassen werden, dass jemand diese Grundwerte untergräbt.“
Babis, ein milliardenschwerer Geschäftsmann, der zum Politiker wurde, war seit seinem Amtsantritt im Jahr 2017 mit einer Reihe von Korruptionsvorwürfen und Interessenkonfliktskandalen konfrontiert. Er hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen, sie haben jedoch allgemeinere Bedenken hinsichtlich seines Engagements für demokratische Normen und Institutionen geschürt.
Der Premierminister wurde auch wegen seiner skeptischen Haltung gegenüber der Europäischen Union und seinen herzlichen Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin kritisiert. Demonstranten warfen ihm vor, er wolle die Außenpolitik der Tschechischen Republik vom Westen weg und hin zu Moskau neu ausrichten.
Trotz der großen Wahlbeteiligung bleibt unklar, ob die Kundgebung erhebliche Auswirkungen auf Babis‘ Machterhalt haben wird. Der Premierminister verfügt weiterhin über eine treue Unterstützerbasis und seine ANO-Partei bleibt in Meinungsumfragen vor den Parlamentswahlen im nächsten Jahr Spitzenreiter.
Aber die Demonstration verdeutlichte, wie groß die Besorgnis der Öffentlichkeit über den Zustand der Demokratie in der Tschechischen Republik unter Babis‘ Führung ist. Die Demonstranten versprachen, ihren Kampf zum Schutz der demokratischen Institutionen und grundlegenden Freiheiten des Landes fortzusetzen.
Quelle: Deutsche Welle


