Afghanistans schiitische Minderheiten sind mit wachsender Angst konfrontiert

Bei einem Angriff auf eine schiitische Moschee in Herat kommen elf Menschen ums Leben. Trotz der Schutzversprechen der Taliban berichten die religiösen Minderheiten Afghanistans von zunehmender Verwundbarkeit und strukturellen Bedrohungen.
Bei einem verheerenden Angriff auf eine schiitische Kultstätte in Herat sind mindestens elf Menschen ums Leben gekommen, was ein weiteres tragisches Kapitel im anhaltenden Kampf für religiöse Minderheiten in Afghanistan markiert. Der Angriff hat die Besorgnis über die Sicherheit der schiitischen Gemeinschaft verstärkt, obwohl die Taliban-Regierung öffentliche Zusagen gemacht hat, den Schutz aller religiösen Gruppen im Land zu gewährleisten. Dieser Vorfall unterstreicht die fragile Position, die religiöse Minderheiten im heutigen Afghanistan einnehmen, wo Sicherheitsversprechen oft mit der düsteren Realität konfessioneller Gewalt kollidieren.
Der Angriff auf die Herat-Moschee stellt eine Fortsetzung eines besorgniserregenden Musters der Gewalt gegen Kultstätten in ganz Afghanistan dar. Schiitische Muslime, die innerhalb der überwiegend sunnitischen Bevölkerung Afghanistans eine bedeutende Minderheit darstellen, waren in den letzten Jahren besonders anfällig für extremistische Angriffe. Der Vorfall wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich der Wirksamkeit der Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz religiöser Stätten und der Fähigkeit der Taliban-Regierung auf, ihrer erklärten Verpflichtung zum Schutz aller Bürger unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Konfession nachzukommen.
Seit der Übernahme der Kontrolle über Afghanistan im August 2021 haben die Taliban mehrere Erklärungen abgegeben, in denen sie ihre Absicht bekräftigen, die Rechte religiöser Minderheiten, darunter Schiiten, Hazara und andere gefährdete Bevölkerungsgruppen, zu schützen. Allerdings wird die Kluft zwischen diesen offiziellen Verlautbarungen und den gelebten Erfahrungen der Minderheitengemeinschaften immer deutlicher. Viele Mitglieder der schiitischen Gemeinschaft haben berichtet, dass sie ein tiefes Gefühl der strukturellen Verletzlichkeit verspüren, das auf institutionellen Faktoren beruht und sie trotz offizieller Schutzversprechen anfällig für Angriffe macht.
Quelle: Deutsche Welle


